Mehr Selbstbewusstsein für die pflegerische Expertise
Die Vielzahl der inzwischen vorhandenen Konzepte zum
Umgang mit demenziell erkrankten Menschen bietet für die
Einrichtungen und Dienste auch die Chance, gezielt einzelne
Ansätze auszuwählen. Dazu riet der Pflegewissenschaftler
Prof. Dr. Michael Isfort von der Katholischen Hochschule in
Köln beim DAN Pflegekongress 2010 in Nürnberg. Niemand
könne von den Pflegenden verlangen, sämtliche diskutierten
Ansätze auszuprobieren und umzusetzen.



Dass nämlich für die Wirkung von Konzepten wie Aromatherapien,
Snoezelen oder musikalische Untermalung des Tagesablaufes
oftmals kein konkreter Nachweis möglich sei, hatte zuvor der
Pflegeexperte Carsten Jehle anhand der S3-Leitlinie "Demenzen"
der medizinischen Fachgesellschaften für Psychiatrie und
Neurologie belegt. Der Einsatz im stationären und ambulanten
Betreuungsalltag sei dennoch sinnvoll, wenn mit pflegerischer
Erfahrung einzelne Maßnahmen ausgewählt würden. Keinesfalls
sollten sich Einrichtungen und Dienste jedoch zu einer
umfassenden Umsetzung aller Konzepte verpflichten lassen.
Prof. Dr. Isfort verknüpfte seine Forderung nach einem gezielten
Einsatz der zur Verfügung stehenden Betreuungsansätze auch mit
der Warnung vor zu großen Hoffnungen auf medizinische
Behandlungsdurchbrüche oder technische Assistenzkonzepte bei
der Demenz. Auch in Zukunft sei die persönlich anwesende und
kompetente Pflegekraft der wichtigste Baustein in der ambulanten
und stationären Versorgung.
Die rund 70 anwesenden Leitungs- und Fachkräfte von Diensten und Einrichtungen aus
ganz Süddeutschland nutzten den vierstündigen kompakten DAN Pflegekongress 2010, um
in wichtigen Themenbereichen ihr Wissen für den Arbeitsalltag aufzufrischen und zu
ergänzen. Dazu gehörte auch eine kritische Einschätzung des Kölner Haftungsrechtlers Prof.
Dr. Volker Großkopf, der die tatsächliche Bedeutung der pflegerischen Expertenstandards
und ihre schützende Wirkung bei Schadenersatzklagen analysierte. Sie bildeten den jeweils
gültigen Stand der wissenschaftlichen Forschung und müssten in jeder Einrichtung
angepasst und umgesetzt werden, da sie seit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz eine
verbindliche Leistungsbeschreibung zeitgemäßer Pflege darstellten.
Nach den erfolgreichen Tagungen in Köln und Nürnberg wird der DAN Pflegekongress 2010
im Herbst in Hamburg fortgesetzt.
 Presseinformationen zum Pflegekongress Nürnberg 2010 (PDF-Format, 75 kByte)
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